Geschichte


Aus dem Verein, 1933-1956
verfasst von Kurt Meinel - 1956


Die Sportler mussten sich früher selbst um die Sportplätze bemühen. Der erste Sportplatz überhaupt lag in Klein-Amerika. Den zweiten baute man 1919 bei Jetten an der Wildeshauser Straße; auch auf „Kollogens Weide“ wurde geübt.

Einige Jahre danach schuf man sich hinter dem Lokomotivschuppen einen Platz in mühseliger Kleinarbeit. So rackerten die Aktiven in vielen freiwilligen Arbeitsstunden wieder einmal einen Platz zurecht, diesmal auf einem Heidestück an der Dünsener Straße. Bald jedoch hatte der Besitzer entdeckt, dass der Verein eine brauchbare Weide geschaffen hatte und nahm den Platz wieder in eigene Hand. Zuletzt erlangte man nach langen Verhandlungen einen schönen Sportplatz auf dem Gelände des Reitvereins im Amtsacker. Dort lag er noch bis das spätere Gewerbegebiet Anfang 1970 erschlossen wurde. Seit 1936 war der HTB Pächter dieses Platzes, die Volks- und Berufsschule zahlte einen nennenswerten Zuschuss für die Platzbenutzung.

Im April 1936 wurde eine Werbefilmvorführung mit Schauturnen durchgeführt. Mit 11 turnerischen und tänzerischen Darbietungen. Am 11. März 1934 ist noch einmal ein Schauturnen aller Abteilungen zu verzeichnen.

In der Zeit nach 1933 konnte der Verein seine Kräfte nicht mehr so frei entfalten, wie vorher. Politische Verpflichtungen und Parteibindungen durch die nationalsozialistische Partei lenkten die Menschen zu sehr ab und nahmen viel Zeit in Anspruch. Der Vorstand musste das „Führungsprinzip“ einführen, nachdem der Vorstandsmitglieder nicht mehr von der Versammlung gewählt werden konnten, sondern vom amtierenden 1. Vorsitzenden bestimmt werden mussten.

Der Besuch der Versammlung, der immer bei 70 bis 80 Personen gelegen hat, ging bis über die Hälfte zurück. Der Vorsitzende in dieser Zeit war von 1937 bis 1945 Heinrich Pestrup.

Mal ruhte die eine, mal die andere Abteilung und mit Beginn des Krieges - September 1939 - hörten Turnen und Sport allmählich ganz auf. Nur die Faustballer ließen sich so schnell nicht unterkriegen. Von 1932 bis 1937 hatte die Abteilung, die damals von J. Ranke geleitet wurde, nur in Beckeln einen gefährlichen Gegner auf dem Weg zur Meisterschaft. Faustball war zu dieser Zeit eine Art Nationalsport in Harpstedt und fast jeden Abend wurde auf dem weiten Marktplatz eifrig gespielt und geübt.

Als Einziger erfüllte der 1. Vorsitzende die notwendigen schriftlichen und finanziellen Verpflichtungen, vor allem den gefallenen Kameraden gegenüber.

„Nun erst recht!“. So könnte man den Anfang 1945 überschreiben. Bomben und Besetzung haben die gesunde Lebenskraft des Volkes nicht brechen können. Wie der Phönix auf der Asche, so erhob sich der Verein von Neuem. Und es waren nicht die eigentlich zur Führung berufenen Schichten, sondern die einfachsten Söhne unseres Volkes, die den Verein weiter führten.

Heinz Brinkmann rüttelte die Gemüter wach und rief die jungen und alten Turner wieder zusammen. Ihm half A. Kurzke, E. Tendigs und H. Pestrup. E. Rendigs bemühte sich um die Jugend, was ihm die Entlassung aus dem Lehramt durch die britische Besatzungsmacht eintrug.

Es wurde schon 1946 wieder geturnt, Fußball- und Faustball gespielt. Der „Küversche Saal“ diente dabei als Turnhallenersatz. Eine Tischtennisabteilung entstand, und E. Rendigs bildete aus den Reihen der Turnerinnen und Turner eine eigene Plattdeutsche Volksbühne.

Einen neuen Höhepunkt erreicht die Gymnastikgruppe durch die Medaz-Gymnastiklehrerin Frau Gebauer und später durch Lony Starke. 1948 übernahm H. Ernsting die praktischen Geschicke des Vereins. Erst als technischer Leiter, dann von 1949 bis 1950 als Vorsitzender. Man bildete selbständige Sparten: Turnsparte, Fußballsparte und Tischtennissparte, die sich alle auch selbst finanziell verwalteten. Zuerst ging diese gut, und der Hauptvorstand wurde erheblich entlastet, denn die Mitgliederzahl stieg ständig. Bald aber ließ der Mangel an geeigneten Kräften bei einigen Sparten Verschuldung auftreten. Es gab Unstimmigkeiten im Vorstand. Die Tischtennisspieler waren auseinandergelaufen, die Faustballspieler spielten nur mit Senioren und die Geräteturner waren zu einer kleinen Gruppe zusammengeschmolzen.

In dieser ungünstigen Lage übernahm H. Pestruß wieder den Vorsitz und sanierte den Verein. Fast 1000.- DM spendeten damals treue Mitglieder und Turnfreunde und ermöglichten so die Weiterführung des Turnsports.

Eine Handball- und Tischtennisabteilung wurden wieder angegliedert, das Kinderturnern auf sechs Riegen erweitert, die Fußballabteilung zu neuer Blüte geführt und eine rege Schwimmabteilung kam auf, die im „Brammer Moor“ übte.

Seit 1952 besitzt der HTB wieder eine Korbballabteilung. Kurt Meinel rief sie ins Leben mit einer Jugend und einer Schülermannschaft. Damit wurde eine alte Tradition wieder aufgenommen, denn es gab schon 1920 eine Korbballmannschaft.

Fritz Gehrke, der aus Stolp in Pommern kam, übernahm im Sommer 1952 die Leitung der „Volksturnabteilung“, die er mit systematischer Pflege und Aufbauarbeit ausgesprochen erfolgreich führte. Die Abteilung wurde dann als Leichtathletikabteilung vom Turnen getrennt, erlebte einen Aufschwung und erzielte Leistungen wie nie zuvor in den vergangenen Jahren.

Leider ging aus Mangel an Mitarbeitern die Handball- und Tischtennisabteilung wieder ein. Bei den Fußballern hätte dieses fast auch zu einer Auflösung geführt.

Am 31. Dez. 1954 stieg die Mitgliederzahl aber noch auf 400. Auch im Jahre 1956 sind die wenigen Mitarbeiter überlastet, manches bleibt zu tun und zu arbeiten übrig.

Um die Bevölkerung auf die Bedeutung von Turnen und Sport hinzuweisen, wurde das 70jährige Bestehen in größerem Rahmen, am 18. und 19. Aug. 1951 gefeiert. Der Festakt fand am Sonnabend, den 18. Aug. 1951, im „Drägerschen Saal“ statt. Es wirkten mit, der Gemischte Chor, die Liedertafel, der Spielmannszug aus Melchiorshausen und eine Bremer Meisterriege im Turnen. Für 25jährige Mitgliedschaft oder besondre Verdienste erhielten 25 treue Mitglieder die Ehrennadel in Silber. Die goldene Vereinsnadel ging an H. Pestrup, H. Krone, H. Müller und H. Brinkmann. Den Höhepunkt aller turnerischen und gymnastischen Vorführungen bildete das Geräteturnen der Bremer Riege, bei der, zur Freude der Harpstedter Zuschauer, auch Koar und Schuberth mitwirkten.

Am Sonntag fanden vormittags leichtathletische Wettkämpfe statt. Mit klingendem Spiel zog man nachmittags durch den im Festkleid geschmückten Ort zum Sportplatz, auf dem vor sielen Zuschauern ein lebendiger Querschnitt aller Abteilungen ablief. Abends vereinigte sich jung und alt in froher Stimmung beim Festball auf „Beukes-Saal“.

Die Einweihung der ersten Sporthalle in Harpstedt, die im September 1953 erfolgte, wird ein Markstein in der Sportgeschichte Harpstedt bleiben. Bis dahin übten die Sportler und Sportlerinnen auf den Sälen der hiesigen Gastwirtschaften.

Im Zusammenhang mit einer Heimatwoche beteiligten sich alle Organisationen Harpstedts an einem großen Festzug, auf dem die beteiligten Personen lebende Bilder darstellten. Der HTB hinterließ einen guten Eindruck mit seinen schmucken Turnerinnen und Turnern und seinen kleinen historischen Festbildern. Unter anderem wurde Jahn mit seinen Zöglingen dargestellt.

Die neue Turnhalle wurde gut genutzt, der Verein füllte jeden Abend die Halle mit seinen Turngruppen und Mannschaften, während die Kinder an mehreren Nachmittagen zum Turnen kamen.

Folgende Turn- und Sportgruppen gab es zum Zeitpunkt des 75jährigen Bestehens des Harpstedter Turnerbundes 1956:

Fußball:
Zwei Herren- und zwei Jugend- sowie drei Schülermannschaften.
Korbball:        
Eine Jugend- und eine Schülerinnenmannschaft
Turnen:
         
Zwei Mädchen- und zwei Knabengruppen, eine Riege der weiblichen Jugend, eine „Hausfrauenriege“ und eine Männerriege mit Jugend sowie die Abteilung der Leichtathleten


Der Vorstand bestand 1956 aus folgenden Mitgliedern

                                      Vorsitzender:             Heinrich Pestrup                                               
                                      Stellvertreter:             Wilhelm Alfke                                               
                                      Kassenwart:              Adolf Speckmann                                               
                                      Geschäftsführer:       Kurt Meinel                                               
                                      Jugendleiter:
            Richard Lachnit                                               
                                     Frauenwartin:             Margarete Marquis                                              
                                     Gerätewart:                Hans Bädeker                                               
                                     Fußballwart:               Günter Osmer                                               
                                     Oberturnwart:             Paul Bremer                                               
                                     Leichtathletikwart:      Fritz Gehrke

Soweit die geschichtliche Zusammenfassung von den Jahren 1931 bis 1956. Wir können mit Freude und Stolz auf 75 Jahre Vereinsleben zurückblicken. Denn sie sind gekennzeichnet durch ernstes und wichtiges Bemühen sowie freundvolles Schaffen gegenüber den Mitgliedern.

Die Geschichte des Harpstedter Turnerbundes beweist, dass die Jugend für gesunde und lebensbejahende Ideale zu allen Zeiten aufgeschlossen war und ist.

Möge der HTB immer Männer und Frauen finden,
die sich ein Herz für die Jugend bewahrt haben und
leben und streben nach dem Grundsatz:

                       „Nur was Du für andere tust, bestimmt den Wert deines Lebens“.